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Sprengstoffdepot in meiner Nachbarschaft?

Der Spiegel berichtet über die Panikmache terrorvorbeugende Maßnahmen in London und Toronto. Drei Tonnen Ammoniumnitrat hätte man bei den Verdächtigen gefunden.

Liebe Terrorfahnder, durch zuverlässige Quellen habe ich erfahren, dass die BayWa noch größere Mengen Ammoniumnitrat hortet. Ja, Ammoniumnitrat ist ein Hauptbestandteil von vielen Düngemitteln. Für eine Bombe reicht Diesel und Kunstdünger — wer Wikipedia zwischen den Zeilen lesen kann und im Chemiegrundkurs aufgepasst hat, findet dort eine Anleitung zum Bombenbau. Eine Tonne des richtigen Ammoniumnitratgemisches reichte für das Oklahoma-Attentat.

4000 Tonnen führten 1921 im BASF-Werk Oppau zum Tod von 561 Menschen. 80 Jahre später explodierten in Toulouse “lediglich” 300 Tonnen, wobei 29 Menschen starben. Drei Tonnen Ammoniumnitrat, einen Kubikmeter Diesel sowie einen “den Druckaufbau begünstigenden Stahltank” dürfte jeder Bauer zusammenbringen.

Ob er sich damit verdächtig macht?

Nein, aber für eine spektakuläre Durchsuchung im Terrorwahn sollte es reichen. Egal, ob es sich bei den Durchsuchungsergebnissen in London und Toronto nun um “echte Terroristen” handelt oder nicht, ist es bemerkenswert, dass kein etabliertes Medium schreibt, was Ammoniumnitrat ist und wie allgegenwärtig es ist.

Nachtrag: Wortfeld äußert sich zu den “schmutzigen Bomben”

860 Antworten auf “Sprengstoffdepot in meiner Nachbarschaft?”

  1. Alexander (June 5th, 2006 um 7:04 pm)

    Ob jemand sich beim Ammoniumnitrat-Kauf verdächtig macht? Oh ja. Der kanadische Branchenverband CFI hat schon vor längerem eine Kampagne gestartet, um die Händler auf verdächtige Käufer hinzuweisen und die Lager besonders zu sichern. Wenn ein Kunde auf Ammoniunnitrat als Düngemittel besteht, bar zahlen und keine Daten hinterlassen will, aber herzlich wenig über Landwirtschaft und Dünger weiß, darf man durchaus skeptisch werden.
    http://www.cfi.ca/files/PDF/AN_Safety_and_Security_-_Backgrounder_June2006.pdf

  2. Tobias (June 6th, 2006 um 12:54 am)

    Ammoniumnitrat ist Bestandteil in alltäglichen Düngemitteln. Aber 3 Tonnen davon? In Reinform?? In der Stadt???

    Aber ganz so alltäglich ist Ammoniumnitrat nun auch wieder nicht. Weil Ammoniumnitrat zur Sprengstoffherstellung genutzt werden kann, fällt der Vertrieb in Deutschland unter das Sprengstoffgesetz. Also außer in Düngern kommst du nicht so einfach ran. In anderen Ländern wird’s ähnlich sein. Wer also wenige Tonnen davon in der Stadt in seinem Haus bunkert, macht sich schonmal reichlich verdächtig, damit nicht sein Blumen oder sein Rasen düngen zu wollen. ;-)

  3. Lara (June 6th, 2006 um 9:21 pm)

    Ach, da hat sich der kanadische Branchenverband ganz umsonst die Mühe gemacht:

    Massive sweep Investigators controlled the sale and transport of three tonnes of ammonium nitrate in an undercover probe of an alleged homegrown terrorist cell

    Sources say investigators who had learned of the group’s alleged plan to build a bomb were controlling the sale and transport of the massive amount of fertilizer, a key component in creating explosives. Once the deal was done, the RCMP-led anti-terrorism task force moved in for the arrests.

    http://www.thestar.com/NASApp/cs/ContentServer?pagename=thestar/Layout/Article_Type1&c=Article&cid=1149371435834&call_pageid=1149329604487&col=1149501697822

    Und zu den britischen bösen Buben:

    Senior counter-terrorism officials now believe that the intelligence that led to the raid on a family house last Friday in a search for a chemical device about to be used to attack Britain was wrong, the Guardian has learned.
    http://www.guardian.co.uk/terrorism/story/0,,1791110,00.html

    Also, das mich das nun wirklich überrascht hätte, kann ich nicht behaupten.