Mattlog

Gedanken und Hintergedanken. Außerdem: Computer, Autos, die dicke Katze von nebenan, Biber in der Innenstadt, meine Freundin und Ich.

Zum Panopticon...

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist Mattias Schlenker, Inhaber Mattias Schlenker IT-Consulting Mattias Schlenker work Dietrich-Bonhoeffer-Str. 3, 40667 Meerbusch. Germany work Fon +49 2132 9952906. http://www.mattiasschlenker.de

Diese Seite läuft unter Wordpress 2.x.y. News und Kommentare können als RSS-2.0-Feed abonniert werden.

Third World Child — das Motorola Motofone F3

Motorola F3 Verpackung

Moderne Mobiltelefone strotzen nur so vor Features: Bluetooth, UMTS, UKW-Radio, MP3-Player, Digitalkamera, IMAP-Client, Push-Mail… Nicht das Motofone F3 von Motorola. Mit Rücksicht auf Schwellenländer hat der amerikanische Hersteller ein Nischentelefon für “Ersttelefonierer” aufgelegt, das nun auch im Westen zu Preisen von unter 50 Euro ohne Vertrag auftaucht. Wie schlägt sich ein für Analphabeten konzipiertes Handset in der Hand eines Europäers, der 12 Jahre lang Nokia treu war?

Unboxing und Erstkontakt

Nie war das Entpacken eines Produktes so unspannend. Das Motofone F3 kommt in einer 13 Zentimeter hohen Pappröhre. Die enthält Telefon, Akku, Ladegerät (eine winzige Wandwarze) und ein Faltblatt als “Manual”. Nicht mehr, nicht weniger. Akku rein, eine halbe Stunde ans Ladegerät und los kann’s gehen. Das “Manual” nimmt nicht einmal eine A3-Seite ein, hält sich mit Texten sehr zurück, verwendet stattdessen Bildchen, sollte aber gut aufbewahrt werden: Feineinstellungen sind später nur über obskure Kurzwahlen möglich.

Der erste Eindruck des nur 9 Millimeter flachen und 70 Gramm leichten Telefones ist, ein recht hochwertiges Gerät vor mir zu haben: Das F3 liegt firm und glattflächig in der Hand, die Toleranzen sind gut. Maßgeblich trägt dazu bei, dass das komplette Oberteil aus einer Polycarbonatplatte gelasert wurde. Die haptische Abgrenzung erleichtern Gummirippen zwischen den Zahlenreihen. Zentrales Navigationselement ist eine aus dem Vollen gedrehte Vierwege-Wippe. Wie bei vielen Billig-Autos ist beim F3 der Schlüssel zu niedrigen Herstellungskosten die niedrige Anzahl der Bauteile und der resultierende geringe Montageaufwand. Billige Materialien, veraltete Technologie und niedrige Löhne scheinen eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Beim Einschalten überrascht das F3 mit einer — immer zwei- oder dreisprachig gehaltenen — Begrüßungsbotschaft, einer Männerstimme, die anbietet, durch die Menüs zu führen. Englisch ist immer dabei. Die zweite oder dritte Sprache kann Panjabi, siZulu oder eben Deutsch sein. Das einfache Display und die gesprochene Hilfe deuten bereits auf die angestrebten Märkte — Schwellenländer mit geringer Alphabetisierungsquote hin.

Display und Navigation

Ein Novum im Handy-Bereich ist die Verwendung eines elektrophoretischen Displays: Spannung muss nur anliegen, um den aktuellen Zustand zu ändern. Um ihn zu halten muss keine Energie aufgewandt werden. Das Foto zeigt ein F3 mit herausgenommenem Akku, bei dem die Uhr “stehenbleibt”. Derartige Displays werden gerne als “E-Paper” oder “E-Ink” bezeichnet. Sie sind als Pixeldisplay recht teuer, weshalb Motorola eine Erweiterung der Siebensegmentanzeige — die Vierzehnsegmentanzeige – gewählt hat und Icons als fixe Elemente anstatt als Pixelhaufen implementiert. Der reinen Ablesbarkeit kommt das entgegen: Die Schärfe ist unübertroffen, selbst bei gleißendem Sonnenlicht ist das Display des F3 gut ablesbar. Die Negativseite: Mit sechs Buchstaben pro Zeile und nur einer effektiv nutzbaren Zeile muss man selbst bei der Navigation im Adressbuch seitlich scrollen.

Das “Menü” besteht aus sechs Icons, die über die Vier-Wege-Wippe nach rechts oder links aufgerufen werden. Es gibt “SMS verfassen”, “SMS lesen”, “Eingegangene Anrufe”, “Klingelton”, “Wecker”, “Datums-Einstellungen”. Das war es. Alle Einträge werden über die Eingabetaste (Pfeil nach oben) ausgewählt. Für das Adressbuch existiert eine separate Taste rechts neben der Wippe. Die Bedienung ist nicht so selbsterklärend wie bei billigen oder älteren Nokia-Geräten. Um einen neuen Eintrag im Telefonbuch anzulegen, gibt man die Nummer ein, drückt die Telefonbuchtaste, gibt den Namen ein und bestätigt mit der Eingabetaste. Nicht wirklich schwer aber eben nicht intuitiv. Auf der Karte abgelegte Einträge bekommen ihren Index als Kurzwahl zugewiesen, die ersten neun können anschließend über langes Drücken der jeweiligen Taste direkt angerufen werden — Ein Feature, das das F3 auch für Kinder und ältere Menschen attraktiv macht.

SMS

Ein deutlicher Nachteil des Displays ist die Beschränkung auf sechs alphanumerische Zeichen in einer Zeile. Zudem wird nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben unterschieden und Umlaute kennt das F3 nicht, was teils zu amüsanten Darstellungen führt: “VIELE GR- -E VoM MobILTELEFoNIERER”. Wer die SMS-Funktionalität nur gelegentlich für das mTan-Verfahren nutzt, wird damit klarkommen. Junge Großstädter in Schwellenländern, die SMS jedoch aus Kostengründen Telefonaten vorziehen, werden jedoch vor allem dann keine Freude am F3 haben, wenn sie jenseits des 7Bit-ASCII-Zeichensatzes leben. Das ist der Fall in weiten Teilen Asiens und auf dem indischen Subkontinent.

Multimedia und Klingeltöne

Multimedia is nicht und Klingeltöne gibt es sieben eingebaute, die sich nicht austauschen lassen. Die klinge(l)n in der höchsten Lautstärke etwas blechern, erreichen aber einen Schalldruck, der auch in der lautesten Umgebung auffällt. Ideal für afrikanische und indische Märkte, wer nicht die Fahrgäste eines ganzen S-Bahn-Waggons aufwecken will, sollte den Vibrationsalarm verwenden. Als nicht-flüchtigen Speicher nutzt das F3 lediglich die SIM-Karte. Je nach Alter der Karte und Anbieter ist deren Speicher und vor allem die Länge der Einträge begrenzt. Eine Möglichkeit, das Adressbuch am PC zu bearbeiten existiert lediglich über den Umweg von SIM-Kartenlesern für den USB-Port.

Fazit

Hauptzweck eines “Tele-Fones” sollte aber auch das “Fern-Sprechen” sein. Und das macht das F3 sehr gut. Der Klang ist klar, der Empfang dankt zweier Antennen sehr gut. Beim Schreiben und Lesen von SMS stört lediglich das unflexible Display. Vor dem Hintergrund der Alternativen — gleich teures, aber dickeres und Strom fressendes LC-Display oder teureres Matrix-E-Paper — hat Motorola die richtige Entscheidung getroffen. In seiner derartigen Form würde ich das F3 wieder kaufen, würde allerdings einem geringfügig teureren Modell mit einem Matrix-E-Paper (oder einem Hybriden mit Punktmatrix im mittleren Teil und Symbolen darüber und darunter) den Vorzug geben.

1,155 Antworten auf “Third World Child — das Motorola Motofone F3”

  1. joseph1 (October 12th, 2007 um 6:31 am)

    hallo,wergatsoein manualfür das motorola f3 und kannes mir
    per email-attachement schicken!danke im voraus.joseph

  2. ms (October 12th, 2007 um 6:38 am)

    Das Manual kann unter

    http://www.motorola.com/Hellomoto/Master%20Lists/Product%20Manuals/Static%20Files/DE-DE/F3%20German%20User%20Manual.pdf

    heruntergeladen werden.

  3. xero (November 3rd, 2007 um 7:40 pm)

    Moin
    Wenn das F3 ein anderes Display hätte, würde ich es mir auch holen…Interessanter Blog… mfg

    PS: Geiler Spam captcha ;)

  4. martin hanses (March 25th, 2008 um 8:42 am)

    Echt ein geiles Handy ich persönlich finde das motorola immer noch die besten handys macht und im Abstand zu allen anderen anbieten auch immer noch die schönsten von optik göße funktionen usw..

  5. Jan Klass (April 8th, 2008 um 12:28 pm)

    Finde das Handy persönlich echt gut..Aber naja ist aj auch geschmack sache..

  6. antje (April 8th, 2008 um 6:35 pm)

    Herzlichen Dank! Da unser Handy nur französisch versteht und auch das Manual nur in dieser Sprache unserer Online-Bestellung beilag, werden mir jetzt hoffentlich deine Tipps helfen können!

  7. Madi (June 3rd, 2008 um 9:13 am)

    Kann mir vielleicht jemand sagen, wie ich bei diesem Handy das Netz manuell auswählen kann, oder gibt es dafür gar keine Funktion?

    vielen dank und lg

  8. Andi (June 11th, 2008 um 10:49 pm)

    Netzwahl:

    *** [Code] *

    Manuelle Netzwahl = 402
    Anzeige des aktiven Netzes = 480
    Verfügbare Netze anzeigen = 481

  9. Andi (June 11th, 2008 um 10:52 pm)

    Korrektur zur Netzwahl:

    *** [Code] * PfeilTaste

  10. Sploy (August 1st, 2008 um 4:06 pm)

    Erfahrungsbericht zum Motorola Motofone F3…

    Erfahrungsbericht zu Motorola Motofone F3 auf mattiasschlenker.de…

  11. Das Rootserver-Experiment » Blog Archive » Nein, das iPhone taugt nicht zum mobilen Admin-Werkzeug (August 12th, 2008 um 7:06 am)

    [...] Motorola Motofone F3 Test [...]

  12. Dirks Logbuch (August 12th, 2008 um 2:58 pm)

    Da bin ich doch nicht alleine ……

    … mit meiner Meinung.

    Nein, das iPhone taugt nicht zum mobilen Admin-Werkzeug.

    stattdessen dann das

    Third World Child — das Motorola Motofone F3…

  13. oliver (August 18th, 2008 um 11:00 pm)

    Das F3 ist wirklich super. Ich habe vier Stück (im Ernst). Bei O2 gibt oder gab es sie sogar für 20€.

    Einmal für mich, einmal Ladegerät vergessen und statt 15€ für das Ladegerät zu bezahlen habe ich für 5 € mehr das ganze Paket nochmal gekauft, dann noch ein Ersatzgerät und danach noch ein zusätzliches, falls ich jemandem in meiner Umgebung ein Ersatzgerät geben muss.

    Vor allem die Akkulaufzeit und die flache Bauweise ist genial. Und es hat einen weiteren großen Wert: Wenn man überfallen wird und ein teures N95 und ein billiges F3 in der Tasche hat, dann kann man dem werten Räuber (in meinem Fall mit Messer) einfach sein F3 geben und versuchen, seine Freude zu verstecken. Er guckte es schief an und lief weg. So günstig bin ich noch nie überfallen worden.

  14. Paul (October 16th, 2008 um 7:32 am)

    Also das Handy ist ja wirklich anscheinend ganz ok, wenn man wirklich ausschließlich nur damit ab und zu mal telefonieren will. Aber selbst wenn ich nur telefonieren möchte, tue ich dies mittlerwiele ja so oft, dass mich die Handhabung wirklich stören würde. Im Falle eines Überfalls stehe ich dann aber natürlich dumm da. Obwohl, das Ding ist ja so flach, vielleicht kann man auch einfach immer eins dabei haben was man nei benutzen würde.

  15. Dirk (January 1st, 2009 um 5:21 pm)

    Form, Gewicht sind gut. Leider ist die Firmware nicht wirklich gut.
    Sonderzeichen und Groß und Kleinschreibung gibt es nicht, Telefonbucheinträge, da kann man nicht draufklicken oder muß nach rechts drücken um weitere Details zu sehen.
    Einstellen des Klingeltones mit Vibration, geht das eigentlich, oder nur ohne Vibration??
    Startbildschirm kann man nicht verändern, Wiederwahlfunktiongibt es nicht.

    Wenn man da eine andere bessere Firmwareversion drauf ziehen könnte (gibts dafür überhaupt nen Datenkabel?) wäre es ein Top Handy, so ist es wirklich nur ein zweit Handy oder ein Handy für Senioren, die mit komplizierten Handy überfordert wären.

  16. Das Rootserver-Experiment » Blog Archive » Randnotizen, 7. Januar 2009: Netbooks jenseits von x86, mein Handy, der Wert eines Blogs (January 7th, 2009 um 11:07 pm)

    [...] Motorola Motofone F3 Test [...]

  17. Lukas (May 11th, 2009 um 7:25 am)

    Naja, wenn ich mir ein Handy kaufe, dann sollte es schon bestimmte Funktionen wie SMS schreiben etc. anbieten, die auch für jeden Nutzer in der Handhabung einfach sind. Das bekommt man bei diesem Handy meiner Meinung nach nicht. Kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sich tatsächlich viele solch ein Handy zugelegt haben.

  18. MitchLaner (May 12th, 2009 um 3:48 pm)

    Hatte auch zwei, wg sms-text eins verschenkt, eins verkauft …