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Kausalität des Tages: Arbeitslosigkeit macht krank

Wir wussten es schon immer: Arbeitslose sitzen zuhause auf dem Sofa, stopfen Chips und schütten Bier in sich hinein, rauchen und verfetten. Die Folge: Zivilisationskrankheiten wie Diabetis und Herzbeschwerden. Jetzt haben wir den Beweis: Eine Studie des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller hat in einer Statistik über den Medikamentenverbrauch festgestellt, dass ausgerechnet in Bundesländern mit höherer Arbeitslosenquote mehr Medikamente verschrieben und verbraucht werden.

Für VFA- Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer steht damit fest: “Arbeitslosigkeit macht krank.”

Klingt natürlich erstmal plausibel. So ist grundsätzlich davon auszugehen, dass ein Arbeitsloser schlechter isst als jemand mit höherem verfügbaren Einkommen, zudem ist aufgrund der Einkommenssituation der Zugang zu Sport schlechter. Es würde zumindest mich ernsthaft verwundern, wenn Arbeitslose gesünder wären als Arbeitende.

Dennoch ist es gewagt, eine Kausalität herzustellen. Genauso könnte man behaupten:

Krankheit macht arbeitslos

Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Wer zu Diabetis neigt oder ein schwaches Herz hat, kann nicht mehr all jene Tätigkeiten ausüben, die ein gesunder Mensch ausüben kann, ist also auf dem Arbeitsmarkt schwerer vermittelbar. Dazu dürfte kommen, dass gesunde junge Leute mobiler sind, also eher wegziehen als ältere Menschen. Und die sind für Alterskrankheiten wie Diabetis nun einmal deutlich anfälliger als die — weggezogenen — jungen Menschen.

Alter macht arbeitslos und krank

Ein weiterer Faktor, der sowohl Arbeitslosigkeit als auch Gesundheit beeinflusst ist Bildung und Ausbildung: Höher gebildete Menschen sind einem deutlich geringerem Risiko ausgesetzt, arbeitslos zu werden, und sie ernähren sich meist bewußter als Menschen mit geringerer Bildung — so wird in Akademikerhaushalten im Schnitt mehr gekocht, auch dann noch wenn das Einkommen des Doktoranden niedriger als als das des ungelernten Fabrikarbeiters ist.

Mangelnde Bildung macht arbeitslos und krank

Um tatsächlich abschätzen zu können, ob eine direkte Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Krankheiten besteht, müsste man also vergleichbare Gruppen zusammenstellen und herausfinden: Sind Arbeitslose mit abgeschlossenem Studium zwischen 30 und 40 signifikant kranker als arbeitende Akademiker des gleichen Alters? Und wie hoch ist der Anteil dieser potentiell gesunden Bevölkerungsgruppe an der gesamten Arbeitslosigkeit? Und wie sieht es mit ungelernten Arbeitern zwischen 50 und 60 aus — einmal arbeitend und einmal arbeitslos? Deren Anteil an der Arbeitslosenquote dürfte signifikant höher liegen. Allerdings macht diese Bevölkerungsgruppe gerade in den im Artikel explizit erwähnten Landstrichen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die mobile Jugend längst fortgezogen ist auch einen deutlich höheren Bevölkerungsanteil aus.

So ist aus einer im Ansatz ganz interessanten Studie, deren Ergebnisse von den Forschern selbst eigentlich recht vorsichtig (und meiner Meinung nach richtig) interpretiert werden

“Die Einflussgröße “Arbeitslosenquote” muss als Indikator für bestimmte gesundheitliche Risikokonstellationen gesehen werden und nicht als Ursache eines höheren Verbrauchs von Lipidsenkern”, heißt es in der Studie.

durch ein verkürzt wiedergegebenes Zitat und die reisserische Überschrift ein Artikel geworden, der zu falschen Schlüssen verleitet. Immerhin steht dieser nicht alleine: Mit der kreativen Auslegung von Studien hat man bei n-tv Erfahrung (Details bei Stefan Niggemeier).

So. Und das nächste Mal erklären wir, warum das berühmte Glas Rotwein eben nicht gesünder macht und warum (zumindest in Westdeutschland) die Dichte des Haupthaares negativ mit dem Einkommen korreliert.

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