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Gedanken und Hintergedanken. Außerdem: Computer, Autos, die dicke Katze von nebenan, Biber in der Innenstadt, meine Freundin und Ich.

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Raus aus dem Print, rein ins Internet!

Als ich vor etwa fünf Jahren mehr oder weniger zufällig zum Dienstleister und Content-Lieferanten für die gedruckte Computerpresse wurde, vollzog sich für mich ein Schritt, den die meisten heute in die andere Richtung gehen. Für jemanden, der seine Tutorials und Workshop-Artikel immer online publiziert hat (und publiziert) war und ist das Web immer das schnellere Medium, aber eben auch ein Medium, das man schwerer mit in den Zug oder aufs stille Örtchen mitnehmen kann und das eine gewisse Flüchtigkeit aufweist. Ich habe es mir daher angewöhnt, Themen fürs Netz anders aufzubereiten als für die Printpresse. Dort kann man mit Boxen und einem geschickten Layout Artikel anders strukturieren als bei eher linear aufgebauten, von oben nach unten zu lesenden Online-Artikeln. Oft spreche ich ein und dasselbe Thema online und in Printmedien an und verweise von einem Medium auf das andere — auf die exklusive Bearbeitung eines Themas für ein Medium verzichte ich mittlerweile.

Was mit dem eigentlich nur als Ergänzung eigener Artikel gestarteten Rootserverexperiment (44.000 Page Impressions im Juni 2008) ganz gut klappt, habe ich mir auch von den großen Verlagen im EDV-Zeitschriftenbereich erwartet: Eine weitgehende Gleichbehandlung von Print- und Online-Medien und eine Abwägung, was wo zuerst veröffentlicht wird. Konkret: Online darf nicht aus Prinzip benachteiligt werden, sondern muss dann die Erstveröffentlichung bekommen, wenn es die Aktualität und der Charakter einer Nachricht oder jedes anderen Artikels erfordert.

Natürlich verlangt dieses Paradigma die größte Anpassung von Nachrichtenmagazinen und Zeitschriften, die eine traditionell Internet affine Zielgruppe ansprechen — darunter fallen eben Computerzeitschriften (hier ganz besonders Spielezeitschriften). Für beide bedeutet dies, im Printbereich weg von den News und hin zu tiefer recherchierten Hintergrundberichten, im Computerbereich auch hin zu Workshops und Referenzen, eben Artikeln, die man auch mal neben den Computer legt und dort als Anleitung benutzt.

Wie weit dieser Trend bereits fortgeschritten ist, zeigt ein Blick über den großen Teich: Bei der Tampa Tribune spricht man aus, was für den Spiegel hierzulande längst gilt, nämlich dass die Printausgabe mittlerweile zum Supplement der Online-Ausgabe verkommen ist. Und im Computerbereich werden Hefte ganz eingestellt, so hat das altehrwürdige Linux Magazine seine bislang monatlich erscheinende Printausgabe komplett gestrichen.

Und wie sieht es hier in Deutschland aus? Nur wenige Verlage im EDV-Bereich haben es geschafft, eine echte Symbiose zwischen Online-Präsenz und Printausgaben zu erreichen, bei der die Zahl der Abonnenten und Kioskkäufer konstant bleibt, einigen ist es immerhin gelungen, ein aktives Forum und wenige, aber griffig und plakativ präsentierte News im Netz unterzubringen und damit dem Käufer der papiernen Ausgabe eine Identifikationsmöglichkeit zu geben. Manch ein Verlag wurde von der Entwicklung schlicht überrollt (in gut zehn Jahren kommerziellen Internets?) und sieht sich nun mit schwindenden Auflagen konfrontiert.

Die Antworten der Verlage, welche nicht schnell genug reagiert haben, fallen unterschiedlich aus: In einigen Fällen wird in einem Kraftakt ein neuer Internetauftritt gestemmt, Übernahmen bisher konkurrierender Verlage und die damit verbundene Übernahme von Abonnenten können immerhin dazu dienen, mit der gleichen Effizienz (oder Ineffizienz) weiterzuarbeiten. Rationalisierungsmaßnahmen treffen den Stamm der festen Mitarbeiter (deren Arbeit an freie delegiert wird oder die einfach mehr Content liefern müssen) und die freien Mitarbeiter (deren Honorare gekürzt werden). In einem mir konkret bekannten Beispiel sanken die Seitenhonorare seit Mitte 2001 um 26%. Die Inflationsrate ist hier noch nicht eingerechnet.

Es wäre anmaßend, zu erwarten, dass die Leser die mit einer derartigen Kostensenkung verbundenen Einbußen an Qualität nicht erkennen würden. Verlage, die derart kurzsichtig sparen, manövrieren sich in eine Abwärtsspirale aus der nur schwer zu entkommen sein dürfte. Natürlich ist die Situation besonders übel für sogenannte “feste freie”, die fast ausschließlich von der Arbeit für einen Verlag leben. Würde sich die Situation sinkender Honorare auch bei meinen Auftraggebern einstellen, kann ich schnell Arbeit shiften.

Das bringt uns zurück zum Rootserverexperiment: Was einst als begleitende Webseite zu Artikeln aus meiner Feder gedacht war, hat mittlerweile ein Eigenleben entwickelt, dem ich Respekt zollen muss: Mit eigenem Content auf der einen Seite, aber andererseits steigen Traffic und Wartungsaufwand, weshalb das Rootserverexperiment künftig Werbung enthalten und demnächst Änderungen am Layout erfahren wird.

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