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Plattenplayer: LaCie LaCinema Premier

Wer eine ganz passable Bibliothek an mit Xvid encodierten und roh gerippten DVDs (nur unverschlüsselte natürlich) sein eigen nennt und einen flachen neuen Fernseher sein eigen nennt, dürfte schnell nach einer Methode suchen, die Filmchen komfortabel am großen LCD anzuschauen. In Frage kämen:

  • ein Streaming-Client, der via UPnP seine Daten bezieht — nicht immer ideal, wenn der Nachbar bei hohen Bitraten dazwischen funkt und Aussetzer die Folge sind
  • ein vollwertiger PC, der über den VGA-Port des Fernsehers sein Bild ausgibt und fürs Upscaling sorgt, gerne kommt hier ein MacMini zum Einsatz
  • ein billiger oder weniger billiger Festplattenplayer — das Angebot reicht hier von simplen Festplatten mit Medienwiedergabe bis hin zu intelligent gemachten Boxen wie dem AppleTV

Weil es aus Komfort- und Energieverbrauchsgründen zunächst kein PC sein sollte (ich warte auf günstige Atom-Boards mit hardwarebeschleunigter Medienwiedergabe) und unsere WLAN-Übertragungsraten arg schwanken, sollte es ein kleiner Festplattenplayer sein. AppleTV fiel aus dem Raster, weil dieser umständlich geöffnet und “gemoddet” werden muss, um DVD-Rips pur und Xvid abzuspielen.

So fiel unsere Entscheidung auf LaCies hübsche LaCinema Premier, ein kleines, senkrecht stehendes Festplattengehäuse, das über Component- und Composite-Ausgänge verfügt, Audio über einen Digitalausgang abspielen kann und über einen Upscaler verfügt.

Erstkontakt und Unboxing

Die LaCinema Premier kommt vorformatiert mit FAT32 und bereits angelegter Ordnerstruktur. Es genügt, die Platte an den PC anzuschließen und einen der Ordner “movies”, “music” oder “pictures” mit Inhalten zu füllen. Wenn man schon dabei ist, sollte man gleich prüfen, ob LaCie ein Firmwareupdate anbietet, welches in den Ordner “update” gehört.

Am Fernseher angeschlossen fällt die etwas klobige Navigation auf: Man hangelt sich durch Ordner durch (was bei Videos ganz OK, bei MP3s aber umständlich ist), der Dateimanager nimmt weniger als die Hälfte des Bildschirmplatzes ein und bei langen Dateinamen bleiben am linken Rand gerne kleine Darstellungsfehler. Gelegentlich stockt das Scrollen. Ingesamt ist die Navigation ordentlich und zweckmäßig, aber weit davon entfernt, die Note “sehr gut” zu erreichen.

Video schauen

Die LaCinema frisst relativ viele in AVI-Container verpackte DivX- und Xvid-Formate, einige belanglose Windows-Container und die oben erwähnten DVD-Rips. Allerdings weigert sie sich, H.264 im Allgemeinen und Quicktime-Videos im Speziellen abzuspielen — wer also in einer Apple-Umgebung arbeitet und viele derartigen Videos herumliegen hat, sollte sich auf Konvertierungsorgien gefasst machen. Ebenfalls ohne Konvertierung unbrauchbar waren rohe MPEG-Streams von DVB-Mitschnitten.

MPEGs werden grundsätzlich als 4:3-Video mit breiten schwarzen Rändern links und rechts dargestellt, auch wenn das Video selbst 16:9 als Seitenverhältnis enthält. Glücklicherweise hat die Fernbedienung eine Zoomtaste, mit der das Bild mit einigen Klicks gestreckt wird. Beim Abspielen fallen gelegentliche Ruckler auf — erstaunlicherweise eher bei niedrigen Bildraten, wahrscheinlich auch weil ein Teil der Decoding-Arbeit durch den recht schwachen ARM-Kern erledigt werden muss. Wer ein wenig mit den Optionen von “mencoder” spielt, wird schnell die richtigen Parameter für flüssiges Decoding finden. Ein kleiner Bug beim Abspielen von AVIs ist, dass Dateien mit mehr als einem GB immer als genau 230 Byte (ein Gigabyte) groß angezeigt werden und daher die Angaben zur Position nicht stimmen können.

Einwandfrei dagegen die Wiedergabe von gerippten DVDs. Diese werden sofort im richtigen Seitenverhältnis dargestellt und die Navigation entspricht der eines normalen DVD-Players — allerdings ohne lästiger Seektime beim Springen. Kein Wunder, schließlich tut der verbaute Broadcom-Chipsatz und der Großteil der Firmware sonst in gewöhnlichen DVD-Playern der Sub-100€-Preisklasse seinen Dienst.

Der subjektive Eindruck vom Upscaler ist ein sichtbar besseres Bild als bei einem simplen DVD-Player, welcher 480p liefert. Allerdings ist zwischen 720p und 1080i kein wirklicher Unterschied spürbar. Beide sind ausreichend scharf, kommen aber nicht an PCs heran, die — mit einem deutlich stärkeren Prozessor — via VGA oder DVI auf die native Auflösung des Displays skalieren.

Und der Sound?

Analoger Sound kommt etwas dumpf rüber (erinnert an alte Kinos), was beim Anschluss an den Fernseher nicht auffällt, sich aber bei externen Boxen bemerkbar macht. Wer bessere Qualität möchte, sollte daher den digitalen Ausgang benutzen.

Das Abspielen von MP3s sollte von LaCie nicht als Main-Feature gepriesen werden: Die LaCinema unterstützt keine ID3-Tags und keine Playlisten und zwingt so zur sauberen Archivierung in Ordnern. Da zur Auswahl einer neuen Datei die Wiedergabe der letzten gestoppt werden muss, eignet sich die LaCinema kaum für Parties.

Firmware seziert

Um herauszufinden, was die LaCinema können könnte, hab ich die Firmware einmal unter die Lupe genommen, “strings” drüberlaufen lassen, das Dateisystem und den Offset des Images ermittelt und den Container einmal gemountet. Es deutet einiges darauf hin, dass die LaCinema unter uClinux läuft und vier oder acht MB Flash für die Aufnahme des Firmware-Images besitzt. Im Image finden sich wenige Anwendungen, Hauptanwendung ist eine “dvdplayer” genannte Applikation, die als “init” gestartet wird. Auf den Webseiten von LaCie habe ich bislang weder die Quellcodes des Kernels, noch einen Hinweis auf die GPL gefunden. Ich werde weitersuchen und ggf. einmal LaCie kontaktieren.

Wunschzettel

Trotz des knappen Platzes im Flash sollte es kein Problem sein, auch die ordentliche Sortierung von MP3s nach Interpret und Album einzubauen und vielleicht die Anschlüsse um einen USB-Host erweitern (viele in derartigen Geräten verwendete USB-Chips können als Host und Slave arbeiten). So könnte man mit einer zweiten Platte oder der Digitalkamera schnell Videos oder Fotos schauen.

Nett wäre daneben ein Netzwerkanschluss und ein UPnP-Client, mit dem sich zumindest Filme mit niedriger Bildrate und Musik übers Netz streamen lassen. Dies würde aber zuerst ein verbessertes User-Interface voraussetzen.

An Spielereien wie Coverflow und nette Effekte möchte ich gar nicht denken. Der erforderliche Mehraufwand an Hard- und Software würde die LaCinema schnell in die Preisregionen eines AppleTV katapultieren, was wiederum die Käufer des “No-Frills-HDD-Players” abschrecken dürfte.

Fazit

Eigentlich ist die LaCinema ein DVD-Player mit Festplatte statt optischem Laufwerk. Nicht mehr und nicht weniger. Die Wiedergabe von DivX oder Xvid erledigt sie gut, aber nicht perfekt und an den Einsatz als dauerhaften Ersatz für separate (Netzwerk-) MP3-Player sollten Sie nicht denken. Der Straßenpreis von derzeit ca. 150 bis 160€ für die 500GB-Version ist angemessen. Unser Nutzungsprofil trifft die LaCinema Premier so punktgenau, dass sich für uns ein gutes Preis-Leistungsverhältnis ergibt — da Medienarchive, Hard- und Softwareumgebung und damit die Ansprüche variieren, muss das nicht für jedes Wohnzimmer der Fall sein.

10 Antworten auf “Plattenplayer: LaCie LaCinema Premier”

  1. bernd (December 16th, 2008 um 12:05 pm)

    hallo,
    ich habe auch die lacie lacinema premier und bin sehr zufrieden damit, einzig die hier bereits erwähnten ruckler bei manchen avi o.ä. dateien fallen auf. hat jemand hierfür ev. bereits eine lösung ?

    btw.
    geliefert wird die lacie wohl mit der firmware 3.11, auf der lacie website ist allerdings nur die 3.10 version zum download verfügbar ?!

    danke und gruss