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Gedanken und Hintergedanken. Außerdem: Computer, Autos, die dicke Katze von nebenan, Biber in der Innenstadt, meine Freundin und Ich.

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Gratulation, liebe Terroristen

Bis vor kurzem dachte ich, erfolgreicher Terror benötige spektakuläre Anschläge mit wenigstens Dutzenden von Toten um einer freiheitlichen Gesellschaft ihre verletzlichen Punkte bewußt zu machen und fortan jedem Bürger das Gefühl zu vermitteln, dass es ihn als nächstes treffen könnte.

Mittlerweile weiss ich, dass echter Terror einfacher ist: es genügt die Androhung von Gewalt, wozu sich imposant aussehende, aber kaum funktionsfähige Sprengsätze auf Bahnhöfen genauso gut eignen, wie nicht besonders fortgeschrittene Experimente mit Flüssigsprengstoffen und die Ankündigung, damit Flugzeuge in die Luft sprengen zu wollen.

Anstatt jedoch das Bewußtsein der Bürger für reale Bedrohungen zu schärfen, macht sich die Politik zum Komplizen der Terroristen und schürt Ängste. Selbstverständlich kann der nächste Sprengsatz auf Bahnhöfen real sein. Aber auch der Zweitakku im Schacht des funktionsfähigen IBM-Notebooks kann sich als Attrappe herausstellen und eine Bombe vom Kaliber Lockerbie enthalten. Wenn kein Handgepäck an Bord gebracht werden darf, werden eben wieder klassische Sprengsätze als reguläres Gepäck aufgegeben.

Einen vollständigen Schutz vor Anschlägen wird es nie geben. Wenn wir heute damit beginnen, Bahnhöfe mit ähnlichen Sicherheitsvorkehrungen wie Flughäfen auszustatten, wird morgen die erste Bombenattrappe in einer Straßenbahn gefunden. Wenn wir dann Straßenbahnen mit Videokameras überwachen und nur noch personalisierte RFID-Tickets zulassen, bleibt übermorgen ein Rucksack im Kino stehen. Verbieten wir Taschen im Kino, kommt vielleicht noch jemand auf die Idee, eine Bombe beim Münchner Oktoberfest in einem Mülleimer zu deponieren.

Alles was wir tun können, ist Risiken rational einzuschätzen und mit ihnen zu leben. So zynisch es klingen mag: Wer sich effizient für die Sicherheit der Bürger einsetzen möchte, kann mit verstärkten Alkoholkontrollen bei Autofahrern in ländlichen Gegenden weit erfolgreicher Menschenleben schützen als mit einer Antiterrordatei, in die alle Dienste Mutmaßungen und Spekulationen kippen dürfen.

3 Antworten auf “Gratulation, liebe Terroristen”

  1. Lara (September 10th, 2006 um 2:28 pm)

    Das sehe ich auch so. Irgendjemand hat gefragt (weiß nicht mehr wo), was anders gewesen wäre, wenn der Anschlag geklappt hätte: Die Politiker hätten sich überschlagen in neuen Forderungen nach mehr Sicherheit, Überwachung, Ausweitung der Befugnisse für Polizei und Geheimdienste etc. Und was haben wir jetzt? Genau das gleiche: Wir sind terrorisiert.

    Voller Erfolg also für Terroristen und solche, die es gerne wären. Die lachen sich doch tot, wie leicht sie unsere ach so freiheitlichen, offenen Gesellschaften in einen gackernden Hühnerhof verwandeln können.

    Die einzige Abwehr ist, sich nicht einschüchtern zu lassen und unsere Freiheiten genauso zu erhalten, wie wir sie eigentlich haben wollen. Wenn wir die Freiheiten aufgeben, dann haben die Terroristen genau das erreicht, was sie – den Politikern und Geheimdiensten zufolge – angeblich erreichen wollen: Die Abschaffung westlicher Freiheiten.

    MfG

    Lara