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Gedanken und Hintergedanken. Außerdem: Computer, Autos, die dicke Katze von nebenan, Biber in der Innenstadt, meine Freundin und Ich.

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Neuwagen für 3000€

Die SZ hat in der heutigen Online-Ausgabe einen recht gut gemachten Artikel zur Lage der chinesischen Automobil-Industrie — und darüber, welche Auswirkungen die Entwicklungen im Reich der Mitte auf die europäischen Märkte haben könnten.

Wie immer, wenn es um Billigautos geht, musste ich einfach meinen Senf dazu geben und habe einen Leserbrief verfasst, der allerdings ob seiner enormen Länge kaum Chancen auf eine Veröffentlichung haben wird. Wer ihn dennoch lesen möchte, darf das hier tun.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse verfolge ich in den letzten Monaten die Artikel über chinesische Automobilhersteller. Zweifellos “tut sich da was”. Doch die Situation ist nicht ganz so rosig wie dargestellt — für die Chinesen.

So bleibt in Ihrem Artikel insbesondere das Währungsrisiko außen vor. Der Renminbi wurde bis vor kurzem gegenüber dem Dollar von der chinesischen Regierung künstlich niedrig gehalten. Ganz einfach indem man Dollar kaufte und bunkerte. Die chinesische Zentralmacht geht nun dazu über, diese Reserven zu verkaufen und teilweise in Euro umzuschichten. Ein spürbar steigender Kurs und damit höhere Exportpreise werden die Folge sein.

Für eine künstliche Verknappung der Exportzahlen sorgen zudem die RoRo-Kapazitäten. Die Auslastung ist derzeit so gut, dass zwischen 700 und 1000 Euro für die Verschiffung eines Fahrzeuges von Japan oder China nach Europa gezahlt werden müssen. Eine Steigerung der Kapazitäten ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten: der Ausstoß beträgt nur ein bis zwei neue Schiffe pro Jahr.

Nehmen wir nun den Chery QQ (diese in China ab 3000€ zu habende Chevy Matiz Kopie), rechnen zunächst zwei Airbags und eine elektronische Einspritzung drauf (der QQ hat einen Vergasermotor) und bezahlen wir die Schiffspassage, landen wir bei ca. 5500€. Mit einer typischen deutschen Händlermarge kommen wir auf ca. 6000€ und haben kaum noch Abstand zu den in Europa angebotenen Kleinwagen, die ab 7200€ losgehen. Das Risiko eines steigenden Renminbi ist noch nicht mitgerechnet.

Die meisten “westlichen” PKW-Hersteller haben längst erkannt, dass das Geheimnis eines günstig anzubietenden Autos vor allem in den Schlüsseln “Nähe zum Markt” und “Economies of Scale” zu suchen ist. Schöne Beispiele liefern hier Daewoo, Hyundai oder Suzuki, die einen großen Teil der in Europa verkauften Fahrzeuge in Polen, Rumänien, Ungarn oder der Türkei fertigen — Koreaner und Japaner sind in Wirklichkeit längst Europäer. Die Chinesen werden erst mit Produktionsstätten in Europa ähnliche Erfolge wie die Koreaner haben können. Natürlich wissen das die chinesischen Hersteller, weshalb sie schon eifrig auf der Suche nach Kooperationspartner und maroden Werken für die Übernahme sind — vornehmlich in Osteuropa, bei steigenden RoRo-Preisen könnte aber auch das Rover-Werk wieder interessant werden.

Ein Punkt, den die Chinesen gut erkannt haben, ist die Konkurrenzfähigkeit der Konstruktionen: hier liegt noch enormes Einsparpotential in der Fertigung, das nicht einmal Stundenlöhne von 0€ bieten könnten. Sieht man von Zhonghua ab, sind die meisten chinesischen Hersteller noch vier bis acht Jahre von konkurrenzfähigen Konstruktionen entfernt. Am Weg dorthin dürften wir Deutschen noch unsere Freude haben. In kaum einem Land gibt es derart engagierte Zulieferer, die mit der Outsourcing-Boom der Neunziger soviel Know-How aggregieren konnten. Porsche wird sich die Finger danach lecken, ein paar kleine Motoren als Auftrag entwickeln zu dürfen, während Firmen wie Thyssen-Krupp-Drauz das gesamte Programm der Strukturentwicklung von Karosserien durchführen. Unterdessen zeichnen Pininfarina und Italdesign am Fließband nett anzusehende chinesische Autos.

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